Kolumne 2 - 50 Cent

Es hat großen Spaß gemacht mitzulaufen. Auch wenn ich aus „Altersgründen“ nur den Halbmarathon gewählt habe und damit nur die Hälfte der Stimmung genießen konnte, war es ein großes Spektakel. Endlich mal ohne Zeitvorgaben und damit auch ohne Chip, naja, eine Uhr hatte ich aber um, so ganz ohne Kontrolle wollte ich nun doch nicht. Aber damit meine ich eher, dass ich nicht zu schnell laufen wollte. Ich hatte mich in die große Läufermenge gestellt und klaglos hingenommen, dass ich viele Sekunden brauchte um die Startlinie zu überqueren. Aber es war ein angenehmes Gefühl nicht mehr um Sekunden feilschen zu müssen. Andere kämpfen dagegen um jede Minute oder Sekunde, aber da der Freiburg-Marathon nicht beim Verband angemeldet ist, werden sie in keiner Bestenliste auftauchen. All das nur wegen 50 Cent pro Teilnehmer?

Der Streit begann schon im vergangenen Jahr, als der Veranstalter des Freiburg Marathons nicht die geforderten 50 Cent pro Teilnehmer an den Verband abführen wollte. Begründung: Es sollen keine Funktionäre oder Geschäftstellen damit bezahlt werden. Er steckte sich das gesparte Geld nicht etwa in die eigene Hosentasche, sondern finanzierte damit, zweckgebunden, ein Jugendtrainingslager des Badischen Leichtahletikverbandes. Was ist denn daran so schlimm, wenn jemand Geld direkt für den Nachwuchs ausgeben möchte? Nichts, es ist sogar richtig, denn der Nachwuchs ist unser wichtigstes Reservoir in der Leichtathletik und braucht jede Unterstützung. In dieser Diskussion geht es vielmehr um Macht. Der Verband hat das so entschieden und damit müssen sich alle Veranstalter fügen, wenn sie denn mit ihren Zeiten in den Verbands-Bestenlisten fungieren wollen. Es wird zwar von Verbandseite damit argumentiert, dass die Gelder für die Nachwuchsförderung oder Jugendtrainingslager ausgegeben werden, aber überprüfen kann das niemand. Es kommt in einen großen Topf, aus dem vieles bezahlt wird. Es ist anzuerkennen, dass sich jemand Gedanken gemacht hat, den Nachwuchs direkt zu unterstützen. Viele große Laufveranstalter sollten sich das mal auf ihre Fahnen schreiben. Es hilft nicht nur zu schreien, dass wir keine schnellen Langstreckler haben, sondern sie müssen auch aktiv mithelfen. Es müsste bei diesem Laufboom doch eine Menge Geld verdient werden. Ob in Hamburg, Frankfurt oder z.B. Berlin. Wenn nicht muss man sich jedoch Fragen stellen. In Berlin zum Beispiel gehört die Marathon-Gesellschaft dem SCC Berlin und damit seiner Leichtathletik-Abteilung. Dort wird aber seit Jahren um Förder-Gelder für die Nachwuchsförderung gestritten. Am Ende gibt es immer einen Zuschuss, der aber nicht freiwillig, sondern erst nach viel Hinundher gezahlt wird. Eine Sache die ich bis heute nicht verstanden habe. Das ist eine traurige Entwicklung, denn wenn nicht mal eine Veranstaltungsgesellschaft, wie die vom SCC Berlin, mit seinen vielen Laufveranstaltungen, es schafft den Nachwuchs im eigenen Verein freiwillig zu fördern, dann sehe ich für den gesamten deutschen Laufsport schwarz. Dass es nicht dazukommen muss, sieht man bei anderen Veranstaltungen wie z.B. bei den Läufen in Würzburg (Marathon oder der 10 Km Residenzlauf). Dort kommen die Einnahmen direkt dem Verein zugute. Die Leichtathleten helfen und profitieren auf der anderen Seite. Mit der zunehmenden Kommerzialisierung ist das natürlich in einigen Fällen in den Hintergrund geraten. Es wäre schön, wenn sich die Beteiligten zusammensetzen würden um eine Lösung zu finden. Ein Kompromiss wäre, dass ein Teil zweckgebunden direkt in den Nachwuchs-Laufsport geht und der andere an den Verband. Dann können wir alle ohne Streitereien diese schönen Läufe genießen. Ob mit Zeitnahme oder nicht. Das kann dann jeder selbst entscheiden.

RUNNING Ausgabe Juni 2005

50 Cent