Kolumne 6 - Von Hilfmitteln und Placebos

„Moderner Schnickschnack“? So wurden Mitte der achtziger Jahre Herzfrequenz-Messgeräte angesehen. So als würde man mit Astronautenanzug durch den Wald laufen, überspitzt formuliert. Den Brustgurt konnte man nicht sehen, aber dafür waren die Uhren damals fast so groß wie die heutigen Handys und kaum zu übersehen am Handgelenk. Heutzutage gehören diese Geräte mit schlankem Design schon zur Standardausstattung. Pulsmesser sind gerade für den Anfänger unheimlich wertvoll. Die Gefahr ist groß zu schnell zu laufen, die Gesundheit anzugreifen und den Spaß am Laufen zu verlieren. Das bedeutet nicht zum Sklaven der Uhr zu werden, sondern sie gezielt einzusetzen. Mit ein paar Jahren Erfahrung im Rücken, kann man auch ruhig öfter mal ohne Pulsuhr laufen. Für mich war sie ein unerlässliches Hilfsmittel um möglichst effektiv zu trainieren.

Erinnern Sie sich noch an die vielen Leute die aussahen, als hätten sie zuhause eine auf die Nase bekommen. Das berühmte Pflaster auf der Nase. Das Nasenpflaster soll die Nasenflügel anheben, damit mehr Luft/Sauerstoff eingeatmet werden kann. Einige wenige Studien sollen auch herausgefunden haben, dass es eine signifikante Leistungssteigerung bewirkt bei Benutzung eines solchen Nasenpflasters. Ich habe es auch mal ausprobiert, fand es aber zu „affig“ und ließ es schnell wieder sein. Außerdem fand ich den Wirkungsmechanismus nicht sehr logisch, denn wir nehmen schon mehr Luft/Sauerstoff beim normalen Einatmen durch den Mund ein als wir in der Lunge verarbeiten können. Nun ja, es gibt immer noch Athleten die dieses Nasenpflaster benutzen, aber der Glaube kann ja bekanntlich Berge versetzen. Sprich, der berühmte Placebo-Effekt.

Eine Athletin die nicht nur auf Nasenpflaster zurückgreift ist Paula Radcliffe, die Marathon-Weltrekordlerin und Weltmeisterin. Sie trägt Kompressionsstrümpfe, setzt sich nach intensiven Laufeinheiten in Eisbecken, lässt ihr Laufband in Tropengewächshäusern aufstellen um sich schneller an Wettkampforte mit tropischen Klimabedingungen zu gewöhnen und so weiter und so fort. Ich kenne niemanden der sein Leben so radikal dem Sport untergeordnet hat. Die sportlichen Erfolge und Ihr millionenschweres Einkommen geben ihr zurzeit Recht.

Aber zurück zu diesen Kompressionsstrümpfen. Sie wollen jetzt bestimmt wissen wieso Paula Radcliffe sie trägt. Der Wirkungsmechanismus klingt simpel aber effektiv: Durch die graduelle Kompression der Kniestrümpfe soll das venöse Blut, das gegen die Schwerkraft zurück zum Herzen transportiert werden muss, beschleunigt und die Blutzirkulation verbessern. Das Herz-Kreislaufsystem des Sportlers wird somit entlastet und die Pulsfrequenz gesenkt.

Zudem sollen die Hightech-Kniestrümpfe für eine Stabilisierung von Muskeln und Sehnen sorgen und den gesamten Bewegungsablauf präziser und effektiver werden lassen. Außerdem soll es gelenkschonend sein sowie Muskelschmerzen während und nach dem Training deutlich reduzieren.

Wer eine Marathonreise plant mit mehreren Stunden Fluganreise, sollte mal darüber nachdenken, sich vor dem Abflug solche Strümpfe anzuziehen. Ihre Beine werden es Ihnen nach der Ankunft danken. In diesem Fall ein wirkungsvolles Hilfsmittel und kein Placebo.

Ihr Stéphane Franke

Von Hilfsmitteln und Placebos