Trennen Sie sich!

Die Auswahl bereitete vor 25 Jahren, als ich mit dem intensiven Laufen begann, nur wenig Kopfzerbrechen. Zur Wahl standen einige wenige Modelle von Adidas oder Puma, Hardcore-Fans kannten sogar auch Brütting. Das ist heute anders, denn es gibt über ein Dutzend Schuhhersteller, von Adidas bis Diadora, über Brooks bis Saucony und so weiter und so fort. Die große Vielfalt stellt besonders Einsteiger vor die Qual der Wahl. Doch gerade diese Zielgruppe sollte das erste Paar Schuhe das Wichtigste sein. Denn passt die Hülle nicht zum Fuß, ist Frust statt Lauflust vorprogrammiert.

Ich selbst habe mich immer gerne umgeschaut was es Neues auf dem Markt gibt. Vor allem bei den Marathonschuhen. Was für Gimmicks haben sich die diversen Hersteller einfallen lassen und welches machte meiner Meinung nach Sinn. Natürlich ist es ganz wichtig mit nicht zu schweren Laufschuhen einen Marathon zu laufen. Jedes Gramm extra kostet Energie. Aber demnach hätte ich ja barfuss laufen müssen – ein wenig unpraktisch. Memme, könnten Sie sagen, schließlich ist Abebe Bikila (Äthiopien) ohne Schuhe 1960 in Rom Marathon-Olympiasieger geworden. Die Afrikaner haben eine viel robustere Fußsohle als wir Europäer. Es hielt ihn aber nicht davon ab vier Jahre später diesmal mit Schuhen seinen Triumph zu wiederholen. Vielleicht hatte der schnöde Mammon einmal mehr zugeschlagen. Schon zu dieser Zeit haben sich die wenigen Schuhfirmen einen erbitterten Kampf um die Ausstattung der Athleten geliefert. 

Aber zurück zum Gewicht, zu leicht ist bei einem Marathon auch nicht gut, denn der leichte Schuh hat eine sehr geringe Dämpffunktion. Die Entscheidung für ein mittelgewichtiges Modell zahlt sich aus, denn die Muskulatur ermüdet nach etwa 30 Kilometern und verliert dann auch ihre Stützkraft. Schmerzen und Muskelkrämpfe können dann bis ins Ziel, wenn überhaupt, Ihre Begleiter werden. Beim Anprobieren eines Marathonschuhs sollte auch Ihre Zehen unbedingt eine gute Daumenbreite Platz haben. Ihr Fuß wird während des Laufs anschwellen und  ein enges Gehäuse übel nehmen. Achten Sie doch beim nächsten Wettkampf einmal darauf, wie viele Kollegen schwarze Zehennägel spazieren tragen. Meine Frau fand meine Zehennägel zu meiner aktiven Zeit nicht so prickelnd; jetzt laufe ich zum Glück weniger und sie schaut sie wieder gerne an.

Jetzt ist es eine gute Zeit andere Modelle auszuprobieren und sich von den Alten zu trennen. Ab Ende März geht die Marathonsaison richtig los und man hat kaum Zeit und Ruhe etwas auszutesten. Schauen Sie auf Ihre alten Modelle. Ist die Sohle wirklich tiptop? Ist der Leisten nicht etwas ausgeleiert? Ich weiß, es fiel mir auch schwer, mich immer wieder von meinen Lieblingsmodellen zu trennen, aber tun Sie es! Ihre Füße werden es Ihnen danken. Die Lebensdauer von Laufschuhen beträgt je nach Körpergewicht und Laufuntergrund zwischen 800 und etwa 1.000 Kilometer. Wer zu lange an seinen älteren Modellen festhält, spart am falschen Ende. Es muss nicht unbedingt das Neueste vom Neuen sein, ein heruntergesetztes Modell der vorherigen Saison reicht auch vollkommen. Vorausgesetzt es passt. Wer mehr als dreimal wöchentlich läuft, sollte sich sowieso ein zweites Paar zulegen. Auf jeden Fall ein unterschiedliches Modell, denn jede Marke und auch jedes Modell hat unterschiedliche Leisten. Ihrer Fußmuskulatur wird die Abwechslung gut tun. Ich teste gerade zwei neue Schuh-Modelle und bin hellauf begeistert. Welche Marke? Psssst, kann ich noch nicht verraten, will doch im Sommer vielleicht ein paar Wettkämpfe mitlaufen.

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